Um eine LI-Mediationsplattform zu bewerten, müssen die richtigen technischen und wirtschaftlichen Fragen gestellt werden. Die Mediationsplattform ist das Herzstück Ihres Systems zur rechtmäßigen Überwachung. Sie wandelt Rohdaten aus dem Netzwerk in standardisierte Übergabeformate um, verwaltet die Übermittlung des abgefangenen Materials an die Strafverfolgungsbehörden und stellt die operative Schnittstelle bereit, über die Ihr Team aktive Überwachungsmaßnahmen verwaltet. Die Auswahl der richtigen Vermittlungsplattform ist eine der wichtigsten Beschaffungsentscheidungen im Bereich der rechtmäßigen Überwachung, und eine falsche Wahl kann zu Compliance-Lücken, betrieblichen Ineffizienzen und kostspieligen Ersatzanschaffungen führen.
Die Bewertung von Mediationsplattformen ist jedoch nicht ganz einfach. Der LI-Markt ist sehr spezialisiert, die Angaben der Anbieter lassen sich oft nur schwer unabhängig überprüfen, und die technischen Anforderungen sind komplex. Um Betreibern die Orientierung in diesem Prozess zu erleichtern, stellt dieser Artikel sieben wesentliche Fragen vor, die den Kern jeder Bewertung einer Mediation-Plattform bilden sollten. Diese Fragen sollen die tatsächlichen Fähigkeiten, Grenzen und die Eignung des Angebots eines Anbieters aufzeigen – und Ihnen helfen, zwischen echten Fähigkeiten und Marketingversprechen zu unterscheiden.
Bewertung Ihrer LI-Mediationsplattform
Die ETSI-Konformität ist die Grundvoraussetzung, reicht aber nicht aus. Jedes europäische Land ergänzt die ETSI-Standards um landesspezifische Anforderungen. In Deutschland gelten die TKÜV- und TR-TKÜV-Spezifikationen. In den Niederlanden gelten die NBIP-Schnittstellenanforderungen. In Frankreich gelten die PNIJ-Spezifikationen. Österreich verfügt über die BRZ-Schnittstelle. Und so weiter für jeden Markt, in dem Sie tätig sind oder tätig werden möchten. Eine Vermittlungsplattform, die zwar den generischen ETSI-Handover unterstützt, aber die spezifische nationale Schnittstelle nicht implementieren kann, wird in der Praxis scheitern.
Fragen Sie bei der Bewertung eines Anbieters gezielt nach, welche nationalen Schnittstellenspezifikationen unterstützt und durch Tests mit der zuständigen nationalen Behörde oder der LEMF überprüft wurden. Verlangen Sie Nachweise für erfolgreiche Interoperabilitätstests – nicht nur Konformitätserklärungen, sondern dokumentierte Testergebnisse oder Referenzimplementierungen. Wenn Sie in mehreren Märkten tätig sind, prüfen Sie, ob die Plattform mehrere nationale Schnittstellen gleichzeitig unterstützen kann, da dies eine gängige Anforderung für Betreiber mit europaweiter Präsenz ist.
Diese Frage verdeutlicht zudem das Engagement des Anbieters für eine kontinuierliche Einhaltung der Vorschriften. Nationale Schnittstellenspezifikationen entwickeln sich weiter, und der Anbieter muss nachweisen können, dass er seine Plattform regelmäßig aktualisiert, um mit den regulatorischen Änderungen Schritt zu halten. Erkundigen Sie sich nach dem Verfahren des Anbieters zur Überwachung und Umsetzung von Spezifikationsaktualisierungen sowie nach dem typischen Zeitrahmen von der Änderung der Spezifikation bis zur Aktualisierung der Plattform.
2. Welche Netzwerktechnologien und Gerätehersteller werden unterstützt?
Die Vermittlungsplattform muss mit Ihrer Netzwerkinfrastruktur verbunden sein, um abgefangene Daten von den internen Abhörfunktionen zu empfangen, die in Ihren Netzwerkelementen eingesetzt werden. Das bedeutet, dass die Plattform die spezifischen Netzwerktechnologien Ihrer Infrastruktur – 2G, 3G, 4G, 5G, IMS, WLAN-Telefonie und alle anderen Diensttechnologien – unterstützen und mit den jeweiligen Geräteherstellern kompatibel sein muss, deren Produkte in Ihrem Netzwerk eingesetzt werden.
Die Unterstützung verschiedener Hersteller ist von entscheidender Bedeutung. Die meisten Betreiber setzen Geräte verschiedener Hersteller ein, und die Vermittlungsplattform muss die damit verbundene Vielfalt an proprietären Schnittstellen und Datenformaten bewältigen können. Bitten Sie den Anbieter um eine Liste der validierten Integrationen mit bestimmten Netzwerkausrüstern und Produktversionen. Achten Sie besonders auf die 5G-Unterstützung, einschließlich der in 3GPP TS 33.127 und TS 33.128 definierten X1/X2/X3-Schnittstellen, und vergewissern Sie sich, dass der Anbieter diese Integrationen in Produktions- oder Vorproduktionsumgebungen getestet hat.
Berücksichtigen Sie auch die zukünftige Weiterentwicklung des Netzwerks. Wenn Sie den Einsatz neuer Technologien planen – wie beispielsweise 5G SA, Network Slicing oder Edge Computing –, prüfen Sie, ob die Mediation-Plattform über eine Roadmap zur Unterstützung dieser Technologien verfügt und ob der Anbieter über die technischen Kapazitäten verfügt, diese Roadmap umzusetzen.
3. Wie bewältigt die Plattform gleichzeitige Abhörvorgänge in großem Maßstab?
Skalierbarkeit ist eine grundlegende Anforderung, aber auch ein Bereich, in dem die Angaben der Anbieter irreführend sein können. Bitten Sie den Anbieter, die maximale Anzahl gleichzeitiger Abhörvorgänge anzugeben, die die Plattform unterstützt, sowie die Bedingungen, unter denen diese Anzahl erreichbar ist. Die Antwort sollte Einzelheiten zur Zusammensetzung der Abhörtypen (Sprache, Daten, SMS), zum Volumen der generierten IRI-Ereignisse und CC-Daten sowie zur Anzahl der gleichzeitigen LEMF-Übertragungsverbindungen enthalten.
Die Leistung unter Last ist ebenso wichtig wie die Spitzenkapazität. Erkundigen Sie sich, wie sich die Plattform verhält, wenn sie an oder nahe ihren Kapazitätsgrenzen betrieben wird. Kommt es zu einem allmählichen Leistungsabfall oder zu einem plötzlichen Ausfall? Welche Überwachungs- und Warnmechanismen sind vorhanden, um die Betreiber zu warnen, wenn sich die Kapazitätsgrenzen nähern? Kann zusätzliche Kapazität ohne Ausfallzeiten oder Unterbrechungen der laufenden Überwachungsvorgänge hinzugefügt werden?
Fordern Sie Leistungstestergebnisse oder Benchmark-Daten an, die die Angaben zur Skalierbarkeit der Plattform belegen. Beziehen Sie nach Möglichkeit Skalierbarkeitstests in Ihren Bewertungsprozess ein und verwenden Sie dabei realistische Verkehrsprofile und Überwachungsszenarien, die Ihre Betriebsumgebung widerspiegeln.
4. Welche Sicherheitszertifikate und -funktionen bietet die Plattform?
Die Vermittlungsplattform verarbeitet einige der sensibelsten Daten Ihrer gesamten Infrastruktur. Die Sicherheitsfunktionen der Plattform sind daher von entscheidender Bedeutung für Ihre Compliance-Situation und den Schutz der abgefangenen Daten. Erkundigen Sie sich beim Anbieter nach der Sicherheitsarchitektur der Plattform, einschließlich der Verschlüsselung von Daten im Ruhezustand und während der Übertragung, der Zugriffskontrollmechanismen, der Protokollierungsfunktionen für Audits, der Zertifikatsverwaltung und der sicheren Speicherung von Schlüsseln.
Erkundigen Sie sich nach Sicherheitszertifizierungen oder unabhängigen Bewertungen. Wurde die Plattform einer Sicherheitsprüfung durch einen unabhängigen Dritten unterzogen? Verfügt der Anbieter über relevante Sicherheitszertifizierungen wie ISO 27001 oder Common Criteria? Werden regelmäßig Penetrationstests durchgeführt, und stehen die Ergebnisse den Kunden zur Verfügung?
Die rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC) sollte granular sein und die Aufgabentrennung zwischen der Verwaltung von Berechtigungen, dem Betrieb und den Prüfungsfunktionen unterstützen. Für jeden Zugriff auf die Plattform sollte eine Multi-Faktor-Authentifizierung unterstützt werden. Das Audit-Protokoll sollte manipulationssicher sein und alle Benutzeraktionen, Systemereignisse sowie Konfigurationsänderungen mit ausreichender Detailgenauigkeit erfassen, um eine behördliche Überprüfung zu ermöglichen.
5. Welches Bereitstellungsmodell nutzen Sie – lokal, in der Cloud oder hybrid?
Das Bereitstellungsmodell der Mediationsplattform hat erhebliche Auswirkungen auf Sicherheit, Leistung, Betriebsmanagement und Kosten. Erkundigen Sie sich beim Anbieter, welche Bereitstellungsoptionen verfügbar sind – physische Appliance vor Ort, virtualisierte Bereitstellung auf der Infrastruktur des Betreibers, Private Cloud, Public Cloud oder Hybridmodelle – und welche Vor- und Nachteile die einzelnen Optionen mit sich bringen.
Für viele Betreiber bleibt die lokale Bereitstellung in einer dedizierten, physisch gesicherten Umgebung angesichts der Sensibilität der betreffenden Daten das bevorzugte Modell für LI. Virtualisierte und cloudnative Bereitstellungen bieten jedoch Vorteile hinsichtlich Skalierbarkeit, Ausfallsicherheit und betrieblicher Effizienz. Falls der Anbieter eine Cloud- oder virtualisierte Bereitstellung anbietet, erkundigen Sie sich nach den spezifischen Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der erfassten Daten in diesen Umgebungen, darunter Hypervisor-Isolation, Containersicherheit, Netzwerksegmentierung und die Einhaltung relevanter Anforderungen an die Datenhoheit.
Containerbasierte und Kubernetes-native Bereitstellungen gewinnen für Betreiber von Cloud-nativen 5G-Netzen zunehmend an Bedeutung. Prüfen Sie, ob die Plattform diese Bereitstellungsmodelle unterstützt und ob der Anbieter die Plattform in containerbasierten Umgebungen mit produktionsrelevanten Workloads validiert hat.
6. Welche Verpflichtungen gehen Sie in Bezug auf Support und Wartung ein?
Die Mediationsplattform ist ein kritisches System, das kontinuierlichen Support, Wartung und Updates erfordert. Erkundigen Sie sich beim Anbieter nach dessen Supportmodell, einschließlich der verfügbaren Supportstufen, der Reaktionszeiten für verschiedene Schweregrade, der Eskalationsverfahren und der Verfügbarkeit von Vor-Ort-Support, falls erforderlich. Das LI-System ist rund um die Uhr in Betrieb, und für kritische Probleme muss der Support rund um die Uhr verfügbar sein.
Wartungs- und Aktualisierungsverfahren sind ebenso wichtig. Wie häufig werden Software-Updates veröffentlicht? Wie werden Updates vor der Bereitstellung getestet und validiert? Können Updates installiert werden, ohne laufende Überwachungsvorgänge zu unterbrechen? Wie sieht der Prozess des Anbieters für die Bereitstellung dringender Sicherheitspatches aus?
Standardaktualisierungen stellen eine spezifische Wartungsanforderung dar. Da sich die Spezifikationen von ETSI, 3GPP und nationalen Gremien weiterentwickeln, muss die Plattform aktualisiert werden, um die Konformität aufrechtzuerhalten. Erkundigen Sie sich nach der Erfolgsbilanz des Anbieters bei der zeitnahen Bereitstellung von Standardaktualisierungen sowie nach der üblichen Vorlaufzeit zwischen einer Spezifikationsänderung und der entsprechenden Plattformaktualisierung.
7. Können Sie Referenzimplementierungen in vergleichbaren Umgebungen vorweisen?
Referenzimplementierungen gehören zu den wertvollsten Informationsquellen bei der Bewertung einer Überwachungsplattform. Bitten Sie den Anbieter, Referenzen von Betreibern mit vergleichbaren Netzwerkarchitekturen, Teilnehmerbasis und regulatorischen Rahmenbedingungen vorzulegen. Idealerweise sollten es sich dabei um Betreiber aus demselben Land oder derselben Region handeln, die ähnliche Netzwerktechnologien einsetzen und vergleichbare Überwachungsvolumina aufweisen.
Fragen Sie bei Gesprächen mit Referenzkunden nach den Erfahrungen bei der Implementierung, der Qualität des Anbietersupports, der Zuverlässigkeit der Plattform im Produktivbetrieb, der Genauigkeit und Vollständigkeit der erfassten Daten sowie nach etwaigen Herausforderungen, die bei der Implementierung oder im Betrieb aufgetreten sind. Gespräche mit Referenzkunden können Probleme aufdecken, die aus der Dokumentation oder den Vorführungen des Anbieters nicht ersichtlich sind, und sie bieten einen realistischen Einblick in die Stärken und Schwächen der Plattform.
Wenn der Anbieter keine Referenzen aus vergleichbaren Umgebungen vorweisen kann, stellt dies einen erheblichen Risikofaktor dar. Eine Plattform, die noch nicht in einer Ihrer Umgebung ähnlichen Umgebung eingesetzt und validiert wurde, birgt ein Implementierungsrisiko, das sorgfältig bewertet und gemindert werden muss.
Schlussfolgerung
Die Bewertung einer Vermittlungsplattform erfordert mehr als nur oberflächliche Funktionsvergleiche und die Betrachtung von Marketingmaterialien. Die sieben in diesem Artikel dargelegten Fragen – zu den Themen Unterstützung nationaler Schnittstellen, Kompatibilität der Netzwerktechnologie, Skalierbarkeit, Sicherheit, Bereitstellungsmodell, Supportzusagen und Referenzimplementierungen – bieten einen Rahmen für eine gründliche und fundierte Bewertung. Indem sie diese Fragen stellen und detaillierte, überprüfbare Antworten einfordern, können Betreiber fundierte Beschaffungsentscheidungen treffen, die zu einer Vermittlungsplattform führen, die ihren Compliance-Anforderungen entspricht, ihre betrieblichen Anforderungen unterstützt und sich an die sich wandelnden Anforderungen im Bereich der rechtmäßigen Überwachung anpasst.
Gestaltung des Bewertungsprozesses
Neben dem Stellen der richtigen Fragen sollten Betreiber ihren Bewertungsprozess so gestalten, dass ein fairer und aussagekräftiger Vergleich zwischen konkurrierenden Plattformen möglich ist. Das bedeutet, vor der Kontaktaufnahme mit Anbietern klare Bewertungskriterien und Gewichtungen festzulegen, nach Möglichkeit praktische Vorführungen oder Proof-of-Concept-Implementierungen durchzuführen und alle relevanten Beteiligten – einschließlich LI-Betrieb, Netzwerktechnik, Sicherheit und Rechtsabteilung – in den Bewertungsprozess einzubeziehen. Eine strukturierte Bewertung verringert das Risiko von Verzerrungen und stellt sicher, dass die ausgewählte Plattform die Anforderungen des Betreibers in allen Bereichen tatsächlich erfüllt.
Die Wahl Ihrer LI-Mediationsplattform wird Ihre betrieblichen Möglichkeiten auf Jahre hinaus beeinflussen. Stellen Sie sicher, dass die Bewertung Ihrer LI-Mediationsplattform gründliche Tests mit realistischen Verkehrsszenarien umfasst.
Verwandte Artikel
Weitere Informationen zu verwandten Themen finden Sie in diesen Artikeln:
- Worauf ist bei einem LIMS (Lawful Interception Management System) zu achten?
- Wie eine Mediationsfunktion funktioniert: Die Brücke zwischen Ihrem Netzwerk und den Strafverfolgungsbehörden
- Temporäre LI-Box vs. feste Infrastruktur: Wann ist welche Lösung sinnvoll?
Externe Ressourcen
Die folgenden externen Quellen bieten zusätzlichen Kontext und offizielle Dokumentation:



