e-Evidence vs. MLAT: Was sich für Dienstleistungsanbieter in der EU geändert hat

e-Evidence vs. MLAT-Vergleichsdarstellung für EU-Dienstleister

Until now, a prosecutor in France who needed data from a provider in Germany had to use judicial cooperation: since 2017 mainly the European Investigation Order (up to 120 days), and outside the EU, mutual legal assistance (MLA/MLAT), which takes about 10 months on average according to the European Commission. These channels worked — eventually — but they were built for paper-era investigations, not for cloud-era cybercrime, ransomware, online fraud or cross-border terrorism. By the time a provider finally received a request, suspects had often disappeared and ephemeral data had been lost.

Die EU-Verordnung über elektronische Beweismittel (EU) 2023/1543, which has applied directly since 18. August 2026, fundamentally changes that picture. It adds a fast, harmonised, judicial-to-provider channel alongside the slower EIO and MLA routes, which operates in days — and in emergencies, in hours. For every electronic communications, hosting, cloud, marketplace and online platform provider operating in the EU, this is the most significant shift in cross-border evidence law in a generation.

This article explains, in practical terms, what changed between the MLAT world and the e-Evidence world, what it means operationally, and how service providers should reshape their compliance programmes now that the Regulation applies.

Die alte Welt: Wie MLATs funktionierten (und warum sie sich schwer taten)

Ein MLAT ist ein bilateraler oder multilateraler völkerrechtlicher Vertrag, der es einem Staat ermöglicht, einen anderen Staat um justizielle Zusammenarbeit - einschließlich der Vorlage von Beweismitteln - zu ersuchen. In der Praxis verlief ein MLAT-Ersuchen zur Erlangung elektronischer Beweismittel über einen langen, mehrstufigen Weg:

  1. Ein Staatsanwalt in der Staat beantragen ein förmliches Rechtshilfeersuchen verfasst und an ihre nationale Zentralbehörde (in der Regel das Justizministerium) übermittelt.
  2. The Central Authority reviewed and translated the request, then forwarded it to its counterpart Central Authority (or, under some treaties, through diplomatic channels) in the Angeforderter Zustand.
  3. Die empfangende Zentralbehörde übermittelte das Ersuchen an ein örtlich zuständiges Gericht oder einen Staatsanwalt.
  4. Die örtliche Behörde erließ eine innerstaatliche gerichtliche Anordnung gegen den Dienstleistungserbringer.
  5. Der Anbieter produzierte die Daten, die dann in umgekehrter Reihenfolge durch dieselbe Kette zurückgeschickt wurden.

Jeder Schritt verlängerte Wochen oder Monate. Übersetzungs- und Formalitätsanforderungen führten zu weiteren Verzögerungen. Bis der ersuchte Anbieter schließlich eine vollstreckbare innerstaatliche Anordnung erhielt, waren die zugrunde liegenden Ermittlungen oft schon weiter vorangeschritten, die Daten konnten nicht mehr aufbewahrt werden, oder der Verdächtige hatte eine andere Grenze überschritten. Studien ergaben wiederholt durchschnittliche MLAT-Zykluszeiten von etwa 10 Monate, Viele Fälle erstrecken sich weit über ein Jahr hinaus.

Die neue Welt: Direkte Anordnungen im Rahmen der EU-Verordnung über elektronische Beweismittel

Mit der e-Evidence-Verordnung werden zwei neue Instrumente eingeführt - die European Production Order und die European Preservation Order, transmitted as standardised certificates (EPOC and EPOC-PR) — that judicial authorities can issue direkt an einen Dienstanbieter in another Member State, without going through diplomatic or governmental intermediaries. Orders travel through the EU’s decentralised IT system, whose Member State access points use e-CODEX. Providers connect to their Member State’s national system, either manually through the web-based interface or automatically through an API based on ETSI TS 104 144.

Nehmen wir dasselbe Szenario: Ein französischer Staatsanwalt, der Ermittlungen zu Ransomware gegen Krankenhäuser in der EU durchführt, benötigt Teilnehmerdaten und Verkehrsdaten held by a German hosting provider. Under e-Evidence, the prosecutor has the order validated by a judge, issues a European Production Order and sends it directly to the provider’s designated establishment or legal representative; because traffic data are requested, the German enforcing authority is notified at the same time. The provider validates the order, extracts the data, and delivers it back through the decentralised IT system. Evidence larger than 25 MB, and any traffic with Member States whose national components are not yet live, goes by secure alternative means with a hash-protected manifest. Die normale Bearbeitungszeit beträgt 10 Tage. Im Notfall beträgt die Bearbeitungszeit 8 Stunden.

e-Evidence vs. MLAT: Ein Seite-an-Seite-Vergleich

DimensionMLATEU-Verordnung über elektronische Beweismittel (e-Evidence)
RechtsgrundlageBilateraler / multilateraler VertragEU-Verordnung, direkt anwendbar
Empfänger der AnfrageAusländische staatliche BehördeProvider’s designated establishment / legal representative (directly)
ÜbertragungskanalDiplomatische / Zentrale BehördenEU decentralised IT system (e-CODEX-based)
Typischer ZeitrahmenMLA: ~10 months on average; EIO: up to 120 days10 Tage Standard / 8 Stunden Notfall
FormatRechtshilfeersuchen in freier FormStandardisierte EPOC / EPOC-PR Zertifikate
Die Rolle des AnbietersEmpfänger einer häuslichen AnordnungDirekter Adressat der ausländischen Bestellung
Sanktionen gegen AnbieterInnerstaatliches Recht des ersuchten StaatesPecuniary penalties of up to 2% of total worldwide annual turnover of the preceding financial year
Bewahrung der DatenAd hoc, abhängig von der RechtsprechungHarmonisierte EPOC-PR (60 + 30 Tage)
Geografischer GeltungsbereichNur Staat-zu-StaatProviders offering services in the EU (substantial connection); all Member States except Denmark

Was gleich bleibt - und wo MLATs noch wichtig sind

Mit der e-Evidence-Verordnung werden die MLATs nicht abgeschafft. Sie sind nach wie vor der wichtigste Mechanismus für Beweismittelanfragen, die Nicht-EU-Länder betreffen, und werden auch weiterhin in vielen strafrechtlichen Szenarien außerhalb des Anwendungsbereichs der Verordnung eingesetzt. Innerhalb der EU können sich Staatsanwälte bei umfassenderen Ermittlungsmaßnahmen auch weiterhin auf die Europäische Ermittlungsanordnung (EEA) gemäß der Richtlinie 2014/41/EU stützen. Die e-Evidence-Verordnung ist am besten zu verstehen als eine spezialisiertes, schnelleres Instrument für einen bestimmten Bedarf - die Erstellung und Aufbewahrung elektronischer Beweismittel - auf das bestehende Instrumentarium aufgesetzt.

Für Dienstleistungserbringer aus Nicht-EU-Ländern bedeutet dies in der Praxis, dass Anfragen von EU-Behörden zunehmend über e-Evidence und nicht über MLAT laufen werden - vorausgesetzt, der Dienstleistungserbringer bietet Dienstleistungen in der EU an und hat einen rechtlichen Vertreter in einem Mitgliedstaat oder benennt einen solchen.

Was dies für Dienstleister in der Praxis bedeutet

Switching from a months-long cooperation process (about 10 months for MLA, up to 120 days for an EIO) to a 10-day (or 8-hour) direct process is not just faster — it is a different operating model. Compliance can no longer be a quarterly side-task handled by a single privacy lawyer. It has to be embedded into engineering, security operations and customer support. The implications fall into four broad areas.

1. Automatisierte Auftragsannahme und -validierung

Manual mailbox-based intake will not scale. You need an authenticated connection to your Member State’s national system (via the web-based interface or an API based on ETSI TS 104 144) and an intake process that can receive, time-stamp, validate signatures, check issuing-authority credentials and route orders to the right responders. Solutions such as the ICS e-Evidence Compliance Plattform sind genau für diesen Arbeitsablauf konzipiert, aber die Anbieter können sie auch selbst herstellen, wenn sie über die technischen Kapazitäten verfügen.

2. Standardisierte Datenextraktion über alle Systeme hinweg

The Regulation distinguishes between subscriber, identification, traffic and content data, each with different thresholds. Your data inventory must map each system to the categories of data it holds, and your extraction tooling must deliver results through the decentralised IT system (web interface or the API based on ETSI TS 104 144) or, where that is not possible, by secure alternative means, always with integrity protection and in formats the issuing authority can process.

3. 24/7-Einsatzbereitschaft

Das 8-Stunden-Notfallfenster gilt zu jeder Tageszeit und an jedem Tag des Jahres. Dies erfordert einen benannten Bereitschaftsdienst von Juristen und Technikern, Runbooks, Eskalationspfade und einstudierte Tabletop-Übungen. Für Organisationen, die diesen Aufwand intern nicht leisten können, ist ein Legal Representative service (for providers outside the EU), combined with managed operations, is increasingly the pragmatic answer.

4. Manipulationssichere Prüfpfade

Jeder Vorgang - Eingang, Validierung, interne Weiterleitung, Extraktion, Überprüfung und Zustellung - muss in einem Prüfpfad festgehalten werden, der aussagekräftig genug ist, um als Beweis zugelassen zu werden und im Nachhinein zu belegen, dass Sie die Fristen, die Minimierung und den spezifischen Umfang des Auftrags eingehalten haben.

Strafen: Warum die Lockerheit der MLAT-Ära verschwunden ist

Under MLAT, friction in the system was tolerated because everyone — investigators, providers, courts — knew it was slow. The e-Evidence Regulation has no such slack. Member States are required to impose effective, proportionate and dissuasive penalties, with pecuniary penalties of up to 2% of the provider’s total worldwide annual turnover of the preceding financial year, imposed by the enforcing authority. Repeated or systemic failures can also trigger court orders, regulatory action by national competent authorities and serious reputational damage with enterprise customers and regulators.

Interaktion mit GDPR, NIS2 und dem Gesetz über digitale Dienste

e-Evidence does not override the GDPR. Disclosures must remain lawful, minimised and properly logged in records of processing. Where the provider is in scope of the NIS2 Directive, security controls and incident handling must also align with it, and intermediary service providers (other than micro and small enterprises) must report orders received from Member State authorities in their DSA transparency reports. A modern compliance programme treats these regimes as overlapping rather than competing — the same intake, audit and minimisation infrastructure can serve all of them.

Häufig gestellte Fragen

Eine längere Referenz finden Sie in unserer speziellen e-Evidence FAQ.

Ersetzt die EU-Verordnung über elektronische Beweismittel die MLATs?

Nein. Er ergänzt sie. MLATs bleiben in Kraft, insbesondere für die Zusammenarbeit mit Nicht-EU-Ländern. Innerhalb der EU bietet e-Evidence einen schnelleren, spezialisierten Kanal für die Erstellung und Aufbewahrung elektronischer Beweismittel.

Kann ein Staatsanwalt in einem Mitgliedstaat wirklich Daten direkt bei einem Anbieter in einem anderen Mitgliedstaat anfordern?

Yes. That is the central innovation of the Regulation. Subject to the safeguards and grounds for refusal in the Regulation, a competent judicial authority issues a European Production Order that the provider must execute directly, without first going through the authorities of the receiving State. For traffic and content data, that State’s enforcing authority is notified in parallel and has 10 days (96 hours in emergencies) to raise a ground for refusal.

Gilt e-Evidence auch für Nicht-EU-Anbieter?

Yes — any provider offering services in the EU (with a substantial connection, such as a significant number of EU users or targeting EU markets) is in scope and must appoint a legal representative in a Member State where it offers services to receive and act on orders.

Was passiert, wenn meine Organisation die 8-Stunden-Frist nicht einhalten kann?

Missed deadlines can lead to enforcement by the competent authority of the enforcing State, including fines of up to 2% of global annual turnover. If you cannot meet a deadline, report the reasons on the Annex III form before the deadline expires. Documented, proportionate efforts are your main mitigation.

Von der MLAT-Ära zu e-Evidence-Ready-Operationen

Der Übergang von MLAT zu e-Evidence ist im Kern ein Übergang von gelegentlich, langsam, papiergestützt Zusammenarbeit mit kontinuierlich, schnell, softwaregesteuert cooperation. Service providers that thrived under the MLAT model — relying on legacy email queues and ad-hoc legal review — are already struggling now that the Regulation applies. Those that invest now in e-Evidence-fähige Compliance-Vorgänge werden nicht nur Strafen vermeiden, sondern auch die Bereitschaft zur Strafverfolgung in ein Vertrauenssignal für Unternehmenskunden und Aufsichtsbehörden verwandeln.

Wenn Sie eine unabhängige Bewertung Ihrer Bereitschaft wünschen, bietet ICS eine vollständige Bewertung der Einhaltung von e-Evidence covering legal scope, technical infrastructure and operational processes — together with a clear roadmap to close any gaps now that the Regulation applies. Kontaktieren Sie ICS heute um Ihren Termin zu vereinbaren.

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